Elektroantrieb: So gelingt der Umstieg von Diesel auf Elektro

Immer mehr Handwerksbetriebe stehen vor der Frage, wann und wie sie ihre Fahrzeugflotte auf Elektroantrieb umstellen. Neben der Finanzierung stehen vor allem Zuverlässigkeit in Sachen Reichweite und Ladeinfrastruktur bei den Überlegungen im Fokus. Bisher rollen die meisten Lieferfahrzeuge mit Diesel vom Hof. Doch Dieselfahrverbote in den Städten, mit denen die Politik den Stickoxid-Ausstoß verringern will, weiten sich zunehmend aus. In vielen deutschen Städten wurden Fahrverbote bereits verhängt. Wenngleich für nachgerüstete Dieselfahrzeuge von Handwerkern zurzeit noch Ausnahmeregelungen gelten, sollten Handwerksbetriebe über kurz oder lang Elektroalternativen in Betracht ziehen, damit sie mit ihren Transportern weiterhin problemlos in die Innenstädte kommen. 

5 Gründe, die für ein E-Fahrzeug sprechen: 

Emissionsfrei zum Kunden 

Handwerksbetriebe fahren täglich oft mehrere Kunden an. Da kommt an CO2-Ausstoß ganz schön was zusammen. Emissionsfreie Fahrzeuge schonen die Umwelt. Die Klimabilanz eines Elektrofahrzeugs hängt jedoch wesentlich von der Stromart ab, also wie grün der geladene Strom ist.  

Verkehrslärm reduzieren 

Lebensqualität in den Städten wird immer wichtiger. Dazu gehört auch die maximale Reduzierung von Verkehrslärm. E-Fahrzeuge fahren wesentlich leiser als Diesel und Benziner.  

Flächendeckende Dieselfahrverbote kommen  

Dieselfahrverbote werden in deutschen Innenstädten zunehmend durchgesetzt. Wer jetzt schon auf Stromer wechselt, ist rechtzeitig gerüstet.  

Imagegewinn 

Umweltbewusste Kunden suchen sich Handwerksunternehmen aus, die ebenfalls nachhaltig denken und arbeiten. Letztlich ist der Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge auch eine Imagefrage. Um an gute Fachkräfte zu kommen, müssen Unternehmen heute innovativ denken und innovativ handeln. Dazu gehört auch das Thema Nachhaltigkeit. Ein moderner Arbeitgeber ist schlichtweg attraktiver. 

Geringer Wartungsaufwand 

Elektromotoren sind lange nicht so komplex aufgebaut wie Verbrennermotoren. Zudem sind sie weniger verschleißanfällig und stehen weniger in der Kfz-Werkstatt. Auch ein geringeres Fahrzeuggewicht spricht für ein E-Auto. Weniger Gewicht bedeutet weniger Energieverbrauch. 

Was hält viele noch von der Anschaffung ab? 

In der Vergangenheit oft moniert: die Zuverlässigkeit der E-Fahrzeuge. Und zwar vor allem hinsichtlich Reichweite und Ladeinfrastruktur. Für das Handwerk interessant: Gerade im Bereich Elektrotransporter haben sich die Hersteller mächtig ins Zeug gelegt und erheblich nachgebessert. 

Mehr Leistung, mehr Möglichkeiten 

Durch Verbesserungen in vielen Bereichen ist das Angebot an E-Nutzfahrzeugen in den letzten Jahren stark gestiegen. Zum einen hat sich die Leistung der Lithium-Ionen-Batterien deutlich verbessert. Dadurch konnten auch Leistungssteigerungen bezüglich der Reichweite erzielt werden. Reichweiten von bis zu 200 Kilometern sind mittlerweile Standard. Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h sind gängige Größen. Wer schneller fährt, büßt jedoch an Reichweite ein. 

Zum anderen schreitet der allgemeine Ausbau der Ladeinfrastruktur in den Städten und Gemeinden bzw. der öffentlichen Schnelllademöglichkeiten kontinuierlich voran. Auch die Europäische Kommission möchte ihre Staaten dazu verpflichten, bis 2025 an den wichtigsten Schnellstraßen alle 60 Kilometer eine leistungsstarke Ladestation zu installieren. Gleiches gilt für das erweiterte Verkehrsnetz bis 2030.  

Erweiterungen in der Ausstattung, z. B. die Möglichkeit, einen Anhänger mitzuführen, machen E-Autos im Handwerk attraktiver. Mobile Ladeboxen ermöglichen das Laden von unterwegs. 

Auch die staatlichen Förderungen wurden deutlich angehoben (siehe Abschnitt ‚Kosten‘). 

Diese Antriebsarten gibt es: 

Hersteller bieten unterschiedliche Antriebskonzepte an. Darunter reine E-Fahrzeuge (EV), die nur mit Batterie fahren, oder eine Mischform, bei der die batteriebetriebenen Fahrzeuge durch einen Range Extender (REEV) erweitert werden, um eine höhere Reichweite zu erzielen. Bei Hybrid-Fahrzeugen (HEV, PHEV) werden klassische Verbrennungsmotoren mit Batterie gekoppelt. Auch Fahrzeuge mit regenerativ erzeugtem Wasserstoff stellen eine klimaneutrale Alternative zum Verbrennungsmotor dar. 

Fuhrpark analysieren 

Bevor Sie ein E-Fahrzeug anschaffen, sollten Sie, um den konkreten Bedarf zu ermitteln, im ersten Schritt Ihren Fuhrpark gründlich unter die Lupe nehmen. Klären Sie unter anderem folgende Fragen: Wie viele Kilometer kommen im Jahr zusammen? Wo sind die Fahrzeuge bevorzugt unterwegs (City oder Umland)? Wie viel Gewicht wird im Schnitt geladen usw.? 

Erst danach geht es an die Auswahl der Fahrzeuge bzw. die Ladeinfrastruktur.  

Welche Ladeinfrastruktur brauche ich? 

Je nach Bedarf benötigen Sie mehrere Wallboxen oder eine große Säule bzw. eine Wandladestation, Ladepunkte mit Stecker oder Kabel, AC- oder DC-Ladesäulen, Single- oder Duosäulen. Wenn unterwegs Strom getankt werden muss, ermöglicht eine spezielle Lade-App den Mitarbeitern Zugang zu einem bundesweiten Ladenetzwerk (z. B. CONNECT Ladenetz). Die Installation zusätzlicher Ladestationen am Wohnort der Mitarbeiter, besonders in ländlichen Gebieten, kann durchaus von Vorteil sein.  

Ladegeschwindigkeiten 

Grundsätzlich wird zwischen drei Ladegeschwindigkeiten unterschieden: Standard, schnell und ultraschnell. Schnelles Laden ist eines der wichtigsten Kaufkriterien bei der Anschaffung eines E-Autos. Es können Ladeleistungen von 22 kWh bis zu 350 kWh (Ultraschnellladen) erzielt werden. Bei den Ultraschnellladesäulen bzw. High Power Chargern (HPC), die eine Leistung zwischen 150 kW bis zu 350 kW zur Verfügung stellen, können Fahrzeuge innerhalb von fünf Minuten für eine Reichweite von bis zu 100 Kilometern Strom tanken. Allerdings muss das Fahrzeug dafür DC-ladefähig sein und einen CCS-Anschluss aufweisen. Jedoch ist nicht jedes Fahrzeug dafür ausgerichtet, die volle Ladeleistung auch tatsächlich aufzunehmen.  

Lademanagement organisieren 

Handwerksunternehmen, die mehrere Elektrofahrzeuge im Einsatz haben, sollten Priorisierungen vornehmen, also darauf achten, dass die Fahrzeuge, die lange Ladezeiten haben, morgens als Erstes vom Hof kommen. Sämtliche Fahrzeuge sollten jederzeit einsatzbereit sein.  

Intelligente Ladestationen 

Intelligente Ladestationen lassen sich mit anderen Geräten bzw. mit dem Internet verbinden. Auf diese Weise können zum Beispiel Ladedaten ausgewertet oder Zugangsberechtigungen festgelegt werden. Gerade im Hinblick auf Smart-Living-Optionen (Eigenverbrauchsoptimierung, Integration in ein Smart-Home-System, dynamisches Lastmanagement) sind smarte Ladestationen für die Zukunft relevant. Diese sind zwar in der Anschaffung etwas teurer. Zu beachten ist jedoch auch, dass viele Förderungen nur bei der Installation von intelligenten Lösungen greifen. 

Brauche ich ein intelligentes Lastmanagement? 

Intelligentes Lastmanagement ist sinnvoll, um Lastspitzen zu vermeiden. Dadurch wird den Fahrzeugen Ladeleistung bedarfsgerecht zugeteilt und kontinuierlich optimiert. Hier kommt die Vernetzung mit der Fotovoltaikanlage ins Spiel. Denn dadurch wird der selbst erzeugte Strom integriert.   

Welches Fahrzeug kommt infrage? 

Sowohl namhafte Automobilhersteller als auch einige hoch spezialisierte Hersteller bringen elektrische Mittelklasse-Transporter von bis zu 3,5 Tonnen auf die Straße. Die Fahrzeuge unterscheiden sich hinsichtlich Reichweite, Batteriegröße, PS, Laderaumvolumen und Sicherheit. Eine Liste der geförderten Fahrzeuge finden Sie hier. 

Kosten immer als Gesamtpaket kalkulieren 

Die Kosten für ein E-Fahrzeug liegen derzeit noch deutlich über denen eines Verbrenners. Allerdings wird der Umstieg vom Staat mit Prämien, Förderungen bzw. Steuererleichterungen belohnt, was die Anschaffungskosten erschwinglicher macht (siehe Abschnitt ‚Förderungen‘). 

Die Kosten für Energie, Betrieb und Wartung von E-Transportern liegt deutlich unter denen von Verbrennerfahrzeugen, da Gewerbekunden zum einen günstigere Stromtarife in Anspruch nehmen können und darüber hinaus weniger Reparaturkosten anfallen, weil in E-Autos weniger kostenverursachende Verschleißteile verbaut sind. 

Kaufpreis, Wartung, Reparatur, Wertverlust und Versicherung sollten bei der Berechnung der Kosten immer als „Gesamtpaket“ kalkuliert werden. 

Einen guten Überblick bietet der Kostenvergleich Benziner/Diesel zu Elektrofahrzeugen vom ADAC: https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/auto-kaufen-verkaufen/autokosten/elektroauto-kostenvergleich/ 

Fortgeschrittene Systeme sind zudem bereits in der Lage, anhand der Fahrprofile auszurechnen, wann sich ein Fahrzeug amortisiert. Für Betriebe, die regelmäßig an öffentlichen Ladestationen Strom zapfen, könnte sich auch eine Ladestrom-Flatrate lohnen (z. B. Elvah). 

Förderungen 

Steuervorteile für Elektroautos 

Rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge sind bis zu einem Erstzulassungsdatum bis 31.12.2030 zehn Jahre lang steuerbefreit. Auch Sonderabschreibungen für E-Nutzfahrzeuge gehören zum staatlichen Steuersparprogramm für E-Mobilität. 

Günstige Versicherungstarife 

Versicherungsunternehmen bieten zunehmend günstige Tarife und zusätzliche Öko-Boni für E-Fahrzeuge an. 

Staatlicher Umweltbonus 

Bis zu 9.000 Euro für Elektroautos und bis zu 6.750 Euro für Hybride gibt der Staat bei der Anschaffung eines Stromers dazu. Auch die KfW-Bank, Bundesländer und Kommunen bzw. Landesbanken bezuschussen den Kauf bzw. teilweise auch die Ladeinfrastruktur. 

Antrag auf Förderung von elektrisch betriebenen Fahrzeugen (Umweltbonus) 

Eine Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge (BAFA) finden Sie hier. 

Weitere Hinweise zu Förderprogrammen gibt die Förderberatung des Bundes.  

Förderung Wallboxen 

Im Gegensatz zu der bundeseinheitlichen Förderung von E-Fahrzeugen liegt die Entscheidung über einen Zuschuss für den Einbau von Elektroleitungen und Steckdosen bei den einzelnen Bundesländern. 

Fazit 

Natürlich können E-Fahrzeuge nach heutigem Stand noch nicht alles leisten, doch die schrittweisen Verbesserungen können sich durchaus sehen lassen. Gerade im Handwerk sind die Elektrotransporter groß im Kommen. Die Umstellung des Fuhrparks auf Elektro ist kein Projekt, das man von heute auf morgen realisieren kann. Am besten erst mal mit einem Fahrzeug beginnen und dieses als Testfeld nutzen. Einen Fehler sollte man jedoch nicht machen: die „Verbrennerwelt“ eins zu eins auf den Elektroantrieb übertragen. Denn hier gelten ganz andere Bedingungen.

Kammern und Verbände bieten kostenlose Beratungen zur Elektromobilität an. Diese sollte man in jedem Fall nutzen. 

Video-Tipp

Im nachfolgenden Video von ZUKUNFT HANDWERK diskutieren Fachleute und Handwerksunternehmer zum Thema und nennen konkrete Praxisbeispiele zu Nutzen, Reichweite, Wallboxen und Förderung. 

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