Gemeinsam geht mehr – Erfolgsfaktor digitale Vernetzung

Gemeinsam geht mehr – Erfolgsfaktor digitale Vernetzung

Was bringt das Handwerk in Zukunft garantiert voran? Netzwerke, Kooperationen und die Bündelung von Know-how. Besonders bei kleineren und mittleren Betrieben, die sich weiterentwickeln wollen, ist ein ungebrochener Trend zu Kooperationen verschiedener Spielarten deutlich erkennbar. Warum: Weil man gemeinsam einfach mehr erreicht. Betriebe können so flexibler agieren, ihre Schlagkraft im Wettbewerb steigern und strukturelle Nachteile gegenüber größeren Handwerksunternehmen ausgleichen. Digitale Tools helfen bei der Umsetzung. Wir stellen Dir verschiedene Möglichkeiten von Kooperationen vor.

Warum gemeinsam?

Vor allem kleineren Betriebe gelingt es aufgrund fehlender Ressourcen nicht, innovative Prozesse allein und aus eigener Kraft anzustoßen. Deshalb gewinnen Kooperationen zunehmend an Bedeutung. Wer mit seinem Handwerksbetrieb in eine sichere Zukunft wachsen möchte, der kommt um eine Vernetzung mit anderen – welcher Art auch immer – nicht herum. Viele Betriebe haben längst erkannt, dass sie in einer immer komplexer werdenden Welt über den eigenen Tellerrand hinaus schauen müssen und fragen sich: Wo komme ich im Verbund mit anderen weiter? Wo kann ich am ehesten andocken? Wie kann ich mich nachhaltig vernetzen? Die verschiedenen Möglichkeiten liegen auf dem Silbertablett bereit. Im Grunde musst Du nur zugreifen. 

Kunden wünschen zunehmend einen Service, der „alles aus einer Hand“ bietet. Das bedeutet: kurze Wege, wenig Reibungsverluste, nur einen Ansprechpartner, mehr Effizienz, geringere Kosten. Schließen sich Unternehmen zusammen, sind sie in der Lage, größere Aufträge anzunehmen oder Kapazitätsschwankungen und Auftragsspitzen abzufedern. Ein Auftreten nach außen im Verbund lässt Betriebe stärker, selbstbewusster und kompetenter auftreten bis hin zur Entwicklung einer gemeinsamen Dachmarke. Gemeinsame Geräte- oder Maschinennutzung beispielsweise sorgt für eine bessere Auslastung und Planungssicherheit sowie für eine Senkung der Betriebskosten. Innovative Projekte lassen sich im Netzwerk durch Bündelung von Kompetenzen, Know-how und Erfahrung leichter umsetzen. Schließen sich Unternehmen zum Beispiel zu Einkaufsgemeinschaften zusammen, genießen sie die Vorteile einer günstigeren Preisstruktur. Möglichkeiten, gemeinsam Aufträge an Land zu ziehen oder Angebote zu erstellen sind ebenso bereits gängige Konzepte wie eine gemeinsame Kundenbetreuung. Darüber hinaus erleichtert die Arbeit im Netzwerk den Zugang zu neuen Kundensegmenten. Auch können neue Vertriebswege und auch überregionale Märkte leichter erschlossen werden. 

Vorteile von Kooperationen

Die Möglichkeiten von Kooperationen sind riesig. Es reicht von informellen Zusammenschlüssen mit anderen Betrieben oder Geschäftspartnern innerhalb des eigenen Gewerks oder eines Ortes, über gewerkeübergreifende, vertraglich geregelte Kooperationen mit oder ohne Gesellschaftsform, bis hin zu Einkaufs- oder Marketing-Kooperationen oder der gemeinsamen Bereitstellung und Nutzung von Wissen. 

Durch die Digitalisierung sind Betriebe in der Lage, Kooperationen optimal zu steuern, Netzwerke zu bedienen, sich unkompliziert auszutauschen und auf kurzen, weil digitalen Wegen zu kommunizieren.

Online-Tools unterstützen die Betriebe bei der Realisierung von Kooperationen, z.B. durch Plattformen, soziale Medien, Webseiten oder Messengerdienste.

Beispiele für Kooperationen im Handwerk:

Informelle gegenseitige Unterstützung

Eine häufige Art der Kooperation ist die informelle gegenseitige Unterstützung von zwei oder mehreren Betrieben. Hier gibt man Aufträge, die man entweder aus Kapazitätsgründen oder weil sie einen anderen Fachbereich betreffen, nicht leisten kann, an Kollegen im gegenseitigen Einverständnis ab oder empfiehlt den/die Kollegen weiter. In der Regel ist man hier auf wenige Betriebe beschränkt. Man findet diese Art der Kooperation findet man häufig bei kleineren Betrieben. Sie ist auf Vertrauen aufgebaut, da natürlich immer die Möglichkeit besteht, dass man den Kunden verliert.

Rechtlich verbindliche Kooperationen

Hier kommen die Betriebe nicht ohne eine externe Beratung und Unterstützung bei der Erstellung der vertraglichen Vereinbarungen aus. Entscheidend für den Erfolg einer derartigen Kooperation ist eine zwischenbetriebliche Koordination, die die Kooperation strukturiert steuert und moderiert. Je nach Interessenslage, je nach Ziel des Zusammenschlusses können Betriebe eine GmbH, GbR, AG oder eine andere Gesellschaftsform wählen.

Einkaufskooperationen

Hier kaufen Betriebe gemeinsam Material und Geräte ein, um von Mengen- und Preisvorteilen zu profitieren. Einkaufskooperationen sind in der Regel einem bestimmten Gewerk zugehörig, wie z.B. Bad, Sanitär.  

Dienstleistungs-Kooperation sowie gemeinsame Nutzung von Maschinen und Werkzeugen

Betriebe tun sich zusammen, um Leistungen aus einer Hand anzubieten. Maler und Bodenleger zum Beispiel. Unter Umständen können sich die Betriebe je nach räumlicher Lage Mitarbeiter, Maschinen oder Fahrzeuge teilen. Der Vorteil ist auch hier ein gemeinsamer Ansprechpartner, Kompetenzgewinn und eine Kostenreduzierung.

Projekt-Kooperation

Handwerksbetriebe können sich auch projektbezogen zusammenschließen. In der Regel gibt es hier einen Projektkoordinator für die Dauer des Projektes. Man findet diese Art der Kooperation häufig bei öffentlichen Aufträgen. 

Gemeinsame Werbegemeinschaften

Handwerksbetriebe planen ihre Werbe- und Marketingmaßnahmen im Verbund mit anderen Unternehmen. Zum einen teilt man sich das Marketing-Knowhow, das von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich ist, zum anderen können Unternehmen durch gemeinsame Werbeaktivitäten ihre Kosten bündeln, bzw. senken. Durch gegenseitige Empfehlungen werden neue Aufträge generiert. Gleichzeitig bringt ein starker gemeinsamer Auftritt nach außen einen Imagegewinn. Diese Art der Kooperation kann sowohl als informelle Kooperation, als auch in der Gründung einer GbR oder einer anderen Gesellschaftsform begründet sein. Je nachdem, welche Ziele mit dem Zusammenschluss verfolgt werden, bzw. ob eine rechtliche Verbindlichkeit aller Partner bestehen soll.

So gibt es beispielsweise Unternehmen, die sich unter einem Dach zusammenschließen und gewerkeübergreifend durch die Konzentration von verschiedenen Kompetenzen an einem Standort gegenseitig profitieren, z.B. Malerbetrieb, Fliesenleger, Möbel, etc. in einem Gebäude.

Werkstattgemeinschaften

Um Kapazitätsengpässe oder Leerläufe von Maschinen zu vermeiden, können Handwerksbetriebe eine gemeinsame Werkstatt und ergänzend auch eine gemeinsame Infrastruktur oder einen Fuhrpark nutzen. Das macht besonders in den Fällen Sinn, wo für teure Anschaffungen von Maschinen, Geräten oder Autos keine hundertprozentige Auslastung besteht. 

Kooperation mit Forschungseinrichtungen

Um Innovationen voranzutreiben, kooperiert das Handwerk zunehmend auch mit Forschungseinrichtungen – mit dem Ziel, Erfahrung und Impulse, Ideen und Knowhow auszutauschen. 

Neue Geschäftsmodelle

Handwerksbetriebe müssen zunehmend auf neue Bedürfnisse reagieren. Sie müssen sich fragen: Wie kann ich die Zusammenarbeit mit meinen Kunden verbessern, vereinfachen und noch serviceorientierter ausrichten?

Hier sind es vor allem Onlineshops, die neue Geschäftsmodelle ermöglichen. Ein Beispiel: Ein Fensterbauer bietet seine Fenster im Internet neuerdings auch für Selbsteinbauer an. Damit erweitert er seinen Kundenkreis auch überregional.

Auch Online-Konfiguratoren sind im Handwerk auf dem Vormarsch. Immer mehr Kunden wollen zuhause auf dem Sofa ihre Wunschprodukte konfigurieren, statt in den Laden zu gehen. Die digitale Vernetzung mit den Kunden bringt neuen Handlungsspielraum.

Kommunikation Baustelle – Büro

Vernetzung ist auch das Stichwort, wenn es um die Kommunikation zwischen Büro und Baustelle geht. Per Apps mit den Handwerkern verbinden, per Messenger erreichbar sein, mit Lieferanten und Kunden in Echtzeit kommunizieren, Materialbestellungen direkt von der Baustelle auslösen und schnell reagieren – digitale Assistenzsysteme unterstützen dabei, immer mit allen am Projekt Beteiligten vernetzt zu sein und kann Ressourcen, Zeit einzusparen und Reibungsverluste vermeiden.

Kunden- und Mitarbeitergewinnung über Social Media

Social Media ist das digitale Tool, um sich mit der Welt, mit Kunden, Lieferanten, Interessenten und Mitarbeitern sowie Geschäftspartnern zu vernetzen. Fachkräfte finden, Azubis anwerben, Lösungssuchende beraten, gemeinsam in Gruppen aktiv sein, mit Kunden im Dialog bleiben und sich mit Geschäftspartnern austauschen. 

Plattformen 

Handwerker-Plattformen bringen Auftraggeber und Handwerker zusammen. So können Betriebe über die Plattform (z.B. myHammer.de) Aufträge bekommen, die sie alleine nicht generiert hätten. Handwerker zahlen eine monatliche Gebühr, um ihr Profil auf der Webseite einstellen zu können. Kunden stellen dann entsprechend eine Anfrage und der Handwerksbetrieb kann sich für den Auftrag bewerben.

Fazit

Handwerksbetriebe, die für die Zukunft gut aufgestellt sind, vernetzen sich mit anderen. Sie wissen, dass sie gemeinsam wesentlich mehr erreichen, produktiver, effizienter sind und Kosten einsparen können. Auf den verschiedensten Gebieten ergänzen sie sich, tun sich zusammen, um schlagkräftiger zu werden, mehr Umsatz generieren, neue Kundenkreise zu finden und innovative Impulse zu bekommen. Ob es lediglich um einen losen Austausch unter Geschäftspartner geht oder um komplexe Kooperationsvorhaben, eines ist sicher: Die Zukunft ist vernetzt und gemeinsam geht mehr!

Passend zum Thema:

Foto: © pressmaster / stock.adobe.com