Handwerksumfrage 2021

Wo liegen die Schwerpunkte bei der Digitalisierung und wie beziehen die Unternehmen das erforderliche Wissen für die Umsetzung?

Handwerksunternehmen haben aufgrund ihrer Unternehmensstruktur in der Regel einen grundsätzlichen Vorteil: Sie können schnell entscheiden und handeln! Um gerade diesen erfolgskritischen Vorsprung zu bewahren, ist die Digitalisierung von Unternehmensprozessen und der damit einhergehende optimierte Zugriff auf Daten und Projektwissen wichtig. 

Auch wenn die Vorteile der Digitalisierung, etwa die messbare Beschleunigung von Geschäftsabläufen durch Vereinfachung, klar auf der Hand liegen, so muss die Digitalisierungsstrategie doch mit der Unternehmensstrategie abgestimmt sein. Daraus folgt, dass die Digitalisierungsstrategie nicht nur aus rein technischen, sondern auch aus unternehmensstrategischen Gründen laufend überdacht, ergänzt, angepasst und erneuert werden muss. Das erfordert eine Bandbreite an Kompetenzen. 

Wir haben in einer Online-Umfrage eruiert, wie Entscheider in Handwerksunternehmen sich die für die Digitalisierung ihrer Unternehmen wichtigen Kompetenzen aneignen möchten. Von allen teilnehmenden Unternehmen hatten 27,9 Prozent einen bis drei Mitarbeiter, 21,6 Prozent vier bis acht, 18,9 Prozent 9 bis 15, 14,4 Prozent 16 bis 30 und 17,1 Prozent 31 bis über 100. Insgesamt lagen also rund 80 Prozent der Teilnehmer bei einer Mitarbeiterzahl zwischen eins und 30, rund 20 Prozent in der Kategorie darüber. 

Digitalisierung ist entscheidend für den geschäftlichen Erfolg

Diese Erkenntnis herrscht in über 90 Prozent der befragten Unternehmen vor. Dass Planung und Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen Chefsache sind, finden knapp 80 Prozent. Interessant in diesem Zusammenhang die Bemerkung eines Teilnehmers: „Planung und Umsetzung ist nicht nur Chefsache, eher Teamsache. Wenn das Team blockiert, nützt die beste Digitalisierungsmaßnahme nichts!“

Knapp 87 Prozent der Befragungsteilnehmer sind entsprechend auch bereit, die notwendigen Ressourcen in Form von Budget, Zeit und Manpower für die Digitalisierung bereitzustellen. Darauf basierend sind rund 83 Prozent auch bereit, an Weiterbildungen und Schulungen zum Thema Digitalisierung selbst teilzunehmen und auch ausgewählte Mitarbeiter einzubeziehen (knapp 95 Prozent).

Digitale Weiterbildung in digitalen Zeiten

Die Frage nach der Art der bevorzugten Form für Weiterbildungsmaßnahmen in Sachen Digitalisierung wurde eindeutig zugunsten digitaler bzw. online zur Verfügung stehender Formate entschieden: 51,4 Prozent lesen Fachbeiträge auf Webseiten, 52,3 Prozent besuchen Webinare, 48,6 Prozent schauen sich Videobeiträge online an und 40,5 Prozent nehmen an Online-Kursen teil. Fachbeiträge in Printzeitschriften werden mit 35,1 Prozent lediglich von etwa einem Drittel genutzt. 

Die Teilnahme an einem von Experten begleiteten Coaching-Programm wird immerhin von rund 19 Prozent als valide Möglichkeit genannt. Individuelle Einzelberatungen würden 15,3 Prozent in Anspruch nehmen. 

Nachfrage nach Kompetenzen zu allen Digitalisierungsthemen

Auffällig war das relativ gleichmäßig verteilte Interesse an einer Vielfalt von Digitalisierungsthemen in den Unternehmen. Auf die Frage „Welche der folgenden digitalen Themen sind für Sie von besonderem Interesse?“ gab es zwar leichte Unterschiede in der Priorisierung, aber keine ausgesprochenen Favoriten. 

Etwas schwerer gewichtet wurden hier erwartungsgemäß die Digitalisierung von Abläufen, die direkt mit dem (handwerklichen) Tages- und Projektgeschäft zu tun haben: Office-Lösungen und Dokumentenmanagement 35,1 Prozent, Branchensoftware 28,8 Prozent, Neukundengewinnung, Kundenanfragen und Angebote 28,8 Prozent, Lagerverwaltung und Bestellwesen 28,8 Prozent, Zeiterfassung und Mitarbeiterplanung 27 Prozent. Gefolgt wurden diese „Digitalisierungsfavoriten“ von Themen wie Digitale Bauakte mit 23,4 Prozent und Mobiler Monteur mit 23,4 Prozent. 

Das Thema Online- und Social-Media-Marketing lag mit 18,9 Prozent genau wie die (digitalen) Kommunikationstools mit 19,8 Prozent und virtueller Verkaufsraum mit 18 Prozent sowie Drohnen, Robotik und 3-D-Druck mit 18 Prozent etwas unter dem Prioritätsdurchschnitt. 

Hier gibt es zwei mögliche Blickwinkel: Das Thema ist entweder noch nicht so stark „auf dem Schirm“, wie es eigentlich aus Digitalisierungssicht nötig wäre, zum Beispiel das Online-Marketing, oder es ist in den befragten Unternehmen bereits stark vertreten, wie zum Beispiel die Kommunikationstools. Ähnliches gilt für die Betriebsmittelverwaltung, die mit 8,1 Prozent nur schwach benannt wurde.

Digitale Weiterbildung passt in den Handwerkerkalender

In der Frage, zu welchen Tageszeiten und Wochentagen die Umfrageteilnehmer sich am liebsten weiterbilden möchten, gab es einen klaren Favoriten: Mit ca. 59 Prozent wurde der Vormittag am häufigsten benannt. Der Nachmittag folgte mit 30,6 Prozent. Am Abend waren immerhin noch 18 Prozent bereit, Zeit in ihre digitale Weiterbildung zu investieren. 

Bei den Wochentagen gab es von Montag bis Donnerstag – mit durchschnittlich jeweils 24 Prozent der Nennungen – keine nennenswerten Unterschiede. Der Freitag erschien mit knapp 19 Prozent bereits ungünstiger und Samstag bzw. Sonntag waren mit 13,5 und 9 Prozent weit abgeschlagen. Teilnehmer äußerten sich auch zur Länge von Weiterbildungseinheiten: am liebsten 60 Minuten, aber nicht länger als 90 Minuten. 

Was ist Digitalisierung dem Handwerk wert?

Handwerksprofis brauchen professionelle digitale Werkzeuge, die den Qualitätsstandards der Branche bzw. der einzelnen Gewerke, aber auch deren Regeln und gesetzlichen Vorschriften entsprechen. Das bedeutet: Es muss Geld in die Hand genommen werden! 

Aber wie viel ist die Digitalisierung den Unternehmen in Euros wert? Das hängt einerseits natürlich von der Unternehmensgröße und somit vom Umfang der zu treffenden Maßnahmen bzw. von der Menge der zu beschaffenden digitalen Werkzeuge ab. Andererseits spielt – wie bereits eingangs erwähnt – die Qualität der Tools eine Rolle, denn sachgerechte und regel- bzw. rechtskonforme Digitalisierung geht nicht mit kostenlosen Consumer-Webtools und deren oft eingeschränkten, allgemeinen Funktionsumfängen, die nichts mit handwerklicher Arbeit zu tun haben. 

Entsprechend groß war auch die Bandbreite der Summen, die die Befragten bereit sind bzw. wären, in ihre Digitalisierungsmaßnahmen zu investieren: 24,3 Prozent der Teilnehmer nannten als geplantes Budget für Digitalisierungsmaßnahmen im Jahr 2021 zwischen 6.000 € und 10.000 €. 22,5 Prozent wollen in diesem Zeitraum 3.000 € bis 6.000 € in die Hand nehmen, und 16,2 Prozent planen immerhin, bis zu 3.000 € zu investieren. Zwischen 10.000 € und 20.000 € beträgt das Budget immerhin bei 9,9 Prozent und bei 5,4 Prozent liegt es sogar bei über 20.000 €. Keine Angaben zur Budgetfrage machten 21,6 Prozent. 

Fazit

Das Bewusstsein für die Bedeutung der Digitalisierung ist in den Unternehmen, die an der Umfrage teilnahmen, stark ausgeprägt. Durchweg sind die Teilnehmer auch bereit, Zeit und Geld für Wissensbeschaffung, Planung und Umsetzung entsprechender Maßnahmen zu investieren.

In den Fokus rücken immer mehr auch die nicht unmittelbar mit dem operativen handwerklichen Tages- bzw. Projektgeschäft zusammenhängenden Digitalisierungsthemen. Dazu gehören beispielsweise die Fachkräftegewinnung mit 26,1 Prozent oder Online- und Social-Media-Marketing mit 18,9 Prozent. Aber auch vermeintliche Hightech-Themen wie Drohnen, Robotik, 3-D-Druck oder Virtual und Augmented Reality rücken auf den Prioritätenlisten allmählich weiter nach vorn. 

Das benötigte Wissen für die Planung und Implementierung von Digitalisierungsmaßnahmen wird – auch im Zeichen der Pandemie-Ereignisse von 2020 – immer stärker digital bereitgestellt und vermittelt. Aufseiten der Handwerksunternehmen steigt auch die Nachfrage nach entsprechenden Angeboten. Schließlich spart die Teilnahme an einem Webinar oder an einem Online-Kurs erheblich an Zeit und Kosten für Reisen und Unterbringung. 

„Wir erleben jeden Tag im engen Austausch mit Entscheider*innen aus dem Handwerk, dass die Nachfrage zu Wissensangeboten im Kontext der Digitalisierung kontinuierlich steigt. Die schnelle und vor allem die zielgerichtete Entwicklung von Digitalkompetenzen ist das Gebot der Stunde.“

Klaus Teßmann, Dozent und Coach von 100 PROZENT DIGITAL

Fakt ist also, dass die Nachfrage des Handwerks nach Lösungskompetenz(en) im Kontext der Digitalisierung weiter stark zunimmt. Deshalb entwickeln wir gemeinsam mit Partnern Wissens- und Service-Angebote, die exakt auf die vielfältigen Anforderungen von Fachhandwerksunternehmen zugeschnitten sind.

Die Handwerksbefragung 2021 führten wir gemeinsam mit dem forum handwerk digital durch.