Komplexe 3D-Formen und Werkstücke unabhängig von deren Größe hochgenau fräsen — angesichts solcher Herausforderungen schlägt die Stunde der wahren handwerklichen Könner. Doch die werden in Zeiten des verschärften Fachkräftemangels immer seltener. Das amerikanische Start-up Shaper Tools aus San Francisco verfolgt mit der handgeführten CNC-Fräse namens „Origin“ einen anderen Ansatz. Es packt jede Menge Computertechnik und Robotik in seine mobile Oberfräse, so dass auch Handwerker ohne digitale Vorkenntnisse oder gar Heimwerker auf Anhieb präzise Ergebnisse erzielen können.

Herausgekommen ist ein Musterbeispiel dafür, wie digitale Technik das Handwerk voranbringen kann. DIGITALISIERUNG PRAKTISCH GESTALTEN hat Florian Horsch aus dem Bereich Strategic Business Development bei der Shaper Tools Inc. auch zu den Europa-Plänen des kalifornischen Start-ups befragt.

Herr Horsch, für alle, die mit den Begriffen „Origin“ bzw. „handgeführte CNC-Fräse“ noch nicht so viel anfangen können. Was macht Shaper Tools, wie funktioniert in wenigen Worten die Technik und was ist im Kontext der Digitalisierung im Handwerk das Besondere an Shaper Tools?

Der Produktname „Origin” (dt. der Ursprung) verweist sowohl auf unser erstes Produkt, den Beginn der Digitalisierung im Bereich der handgeführten Elektrowerkzeuge, aber auch auf die Besonderheit, dass das Werkzeug zu jedem Zeitpunkt seine genaue Position auf dem Werkstück kennt.

Shaper Tools entwickelt Technologien, die die Präzision eines Roboters in die Hände eines Handwerkers überführen. Bei uns steht der oder die Anwender/in klar im Mittelpunkt. Zu keinem Zeitpunkt soll sich die Maschine über ihre Nutzerschaft stellen. Der Mensch kontrolliert das Werkzeug, wird aber wie von Geisterhand technologisch unterstützt und erhält somit eine bisher nie dagewesene Präzision seiner Fräsarbeiten.

Diese „Autokorrektur für die eigenen Hände” funktioniert über ein visuelles Markierungssystem und eine hochpräzise mechanische Nachführung der Frässpindel: Einige Klebestreifen auf dem Werkstück, das sogenannte Shaper Tape, ermöglichen der Kamera sich auf der Arbeitsfläche genau zu verorten. Entlang digitaler Schablonen kann nun das Werkzeug grob per Hand geführt werden, während zwei Schrittmotoren die Feinabstimmung übernehmen und so sicherstellen, dass die Konturen immer perfekt getroffen werden!

Mit dem Shaper Hub gibt es bereits eine englischsprachige Cloud-Plattform, über die die Shaper-Community die Pläne bereits realisierter Origin-Projekte teilt. Wie erstellen Handwerksbetriebe eigentlich die Vorlagen?

Shaper Hub wird zukünftig natürlich auch europäischen Kunden zur Verfügung stehen. Eine stets wachsende Anzahl an Projekten und Vorlagen ermöglicht allen einen schnellen Einstieg und reduziert den Aufwand für neue Nutzer. Bereits vorhandene Konturdaten können auf Knopfdruck direkt auf das Werkzeug geladen werden.

Will man eigene Ideen verwirklichen, stehen einem verschiedene Wege offen. Es gilt aber immer: Es werden keine Programmier- oder CNC-Kenntnisse vorausgesetzt! Die Einfachheit der Bedienung ist ein zentrales Element unserer Philosophie.

Ganz konventionell können gängige CAD-Zeichnungen exportiert werden und direkt über Shaper Hub auf das Gerät geschickt werden. Oder man speichert die Daten auf dem mitgelieferten USB-Stick. So macht man sich auch auf der Baustelle nicht von einem funktionierenden Internetzugang abhängig.

Noch intuitiver und spannender wird es mit den Zeichenwerkzeugen, die direkt in der Maschine abrufbar sind: Shaper Origin wird dabei zu einer Art interaktivem Mauszeiger, mit dem man simple Formen wie einen Kreis, Quadrate und Linien digital direkt auf das Werkstück zeichnen kann. Das Ganze funktioniert so einfach, dass die Anwenderschaft nicht einmal Vorkenntnisse im CAD-Bereich besitzen muss.

So wird Digitalisierung für jede Handwerkerin und jeden Handwerker, unabhängig von spezifischen Vorkenntnissen, greifbar und nutzbar – das ist genau nach unserem Geschmack!

Mittlerweile ist Shaper Tools als eigenständige Gesellschaft in die TTS Tooltechnic Systems AG & Co. KG eingegliedert. Zu dieser Unternehmensgruppe gehören auch renommierte Namen wie die Elektrowerkzeug-Marke Festool, der Koffersystem-Anbieter Tanos und der Tischkreissägen-Hersteller SawStop. Was bedeutet das für die weitere Entwicklung? Wie möchte sich Shaper Tools in Deutschland etablieren?

Wir freuen uns unglaublich, nun ein Teil dieser starken Technologie- und Markenfamilie zu sein. TTS möchte seinen eigenen Zielgruppen innovative digitale Lösungen anbieten. Insofern ist dies auch für TTS erneut ein großer Schritt nach vorn. Gemeinsam werden wir über bestehende Technologien hinaus für den Kunden weitere zukunftsweisende Angebote entwickeln.

Dabei möchten wir einfach unseren Teil dazu beitragen, dass konkrete aktuelle Herausforderungen wie Fachkräftemangel, anspruchsvolle Kundenwünsche, etc. effizient gelöst werden können.

Wer bezüglich der europäischen Markteinführung auf dem Laufenden bleiben möchte, abonniert am besten unseren Newsletter. Informationen über Shaper Tools findet man auch auf YouTube, Instagram oder Facebook oder man verfolgt die Fachpresse.

Vielen Dank für das Interview.