Neuer Ausbildungsberuf: Elektroniker/in für Gebäudesystemintegration

Der Smart-Living-Sektor entwickelt sich rasant. Schlagwörter der Zukunft sind Smart Building, Smart Home, Energiemanagement und E-Mobilität. Sie werden in unserem Alltag immer wichtiger. Um Häuser und Wohnungen mit intelligenten Geräten auszustatten, braucht es Spezialisten, die sich auskennen und die diesen neuen Herausforderungen kompetent begegnen. Als Gestalter smarter Gebäudetechnologien agieren künftig „Elektroniker/-innen für Gebäudesystemintegration“ als Bindeglied zwischen dem Elektrohandwerk und den anderen Gewerken. Ein Ausbildungsberuf, der zum 1. August 2021 neu geschaffen wurde. Mit guten Aussichten auf die Karrierechancen von Jugendlichen, aber auch für Handwerksunternehmen, die sich als Systemanbieter mit der Planung und Realisierung von gewerkeübergreifenden Projekten beschäftigen.

Innovatives Berufsbild

Elektrische Haussteuerung und Gebäudeautomatisierung sind im Zusammenhang mit den großen Themen Digitalisierung und Energiewende schon jetzt nicht mehr wegzudenken. Die Heizung von unterwegs anschalten, damit es mollig warm ist, wenn man nach Hause kommt, das Licht auf eine bevorzugte Helligkeit bringen, Garagentore automatisch öffnen oder Lastspitzen beim Stromverbrauch durch smarte Steuerung vermeiden. Smart-Home-Technologien sorgen nicht nur für ein optimales Raumklima und für perfekte Lichtverhältnisse, sie steuern auch Rollläden, Musik, Türkommunikation und Geräte untereinander. Vor allem unter dem Aspekt von Nachhaltigkeit und Energiewende ist es das Ziel von intelligenten Haussteuerungen, ein Maximum an Energieeinsparpotential herauszuholen.

Die steigende Nachfrage nach intelligenter Gebäudetechnik im privaten wie im geschäftlichen Bereich erfordert allerdings spezielles Wissen im Bereich Vernetzung, gewerkeübergreifende Gebäudetechnologien und Systemintegration. „Die Entstehung eines ganz neuen Tätigkeitsfeldes hat die Schaffung des neuen Ausbildungsberufes ,Elektroniker/-in für Gebäudesystemintegration‘ notwendig gemacht, um dem steigenden Bedarf an Fachkräften im Bereich der Gebäudesystemtechnik nachzukommen“, erklärt Thomas Felkl vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn.

Vom Elektroniker zum Systemintegrator

Der Aufgabenbereich des Elektronikers für Gebäudesystemintegration ist durch die Vernetzung verschiedener Gewerke komplex. Der Elektroniker vernetzt Gebäudesysteme unter anderem in den Bereichen Heizung, Klima, Licht, Bürotechnik, Solartechnik und E-Mobilität. Elektroniker:innen für Gebäudesystemintegration planen, konfigurieren, vernetzen und analysieren intelligente gebäudetechnische Systeme, beraten Kunden und weisen sie in die Systeme ein. Auch das Programmieren und Testen von Software fällt in den Aufgabenbereich des neuen Berufsfeldes. Gebäudesystemintegrator:innen übernehmen damit im Bereich intelligente Gebäudesysteme eine wichtige Aufgabe an der Schnittstelle zwischen den einzelnen Gewerken.

Was unterscheidet den klassischen Elektroniker vom Elektroniker für Gebäudesystemintegration?

„Der Elektroniker für Gebäudesystemintegration entwickelt und realisiert Lösungen für intelligente komplexe Gebäudeinfrastruktursysteme“, erklärt Thomas Felkl und ergänzt: „Diese Tätigkeit ist mit einem hohen Abstraktionsvermögen verbunden.“

Hätte es nicht gereicht, das Berufsbild des klassischen Elektronikers einfach anzupassen? „Nein“, sagt Thomas Felkl, „damit hätten wir das Tätigkeitsfeld des Elektronikers völlig überfrachtet. Denn im Bereich Gebäudesystemintegration müssen die Auszubildenden auch viele andere relevante Gewerke kennen, nicht nur ihr eigenes Fach. Sie arbeiten nicht mehr nur unmittelbar auf der Baustelle. Daraus ergibt sich ein komplett anderes Arbeitsfeld.“ Der neue Berufszweig hat daher nur noch randständig mit der Arbeit auf der Baustelle zu tun, so wie man sie kennt. Der „neue“ Elektroniker ist auch viel im Büro und kommuniziert mit den Gewerken. „Er muss weit über den Tellerrand hinausschauen“, betont Felkl.

Welche Unternehmen können den Beruf ausbilden?

Als Ausbildungsbetrieb für den neuen Berufszweig kommen Betriebe des Elektrohandwerks in Frage, die sich mit der Planung und Realisierung von intelligenten gewerkeübergreifenden Gebäudesystemen beschäftigen. „Im Grunde betrifft das alle Betriebe, die solche Projekte in ausreichendem Maße haben, damit der Betrieb den Auszubildenden auch alle wesentlichen Bereiche vermitteln kann.“ Was bedeutet „in ausreichendem Maße“? Felkl: „Der Projektumfang sollte so groß sein, dass sich schließlich eine Fachkraft auch lohnt.“

Für wen ist der Beruf „Elektroniker/-in für Gebäudesystemintegration“ geeignet?

Zielgruppe sind Jugendliche und Schulabgänger, die ein ausgeprägtes Interesse an komplexeren Zusammenhängen mitbringen und die Spaß an innovativen Themen und auch an Mathe und Physik haben. „Der neue Ausbildungsberuf richtet sich deshalb vorrangig an Abiturienten und Studienumsteiger, beziehungsweise an alle mit einer großen Affinität zu Technik“, so Thomas Felkl.

Fazit

Die intelligente Vernetzung von Gebäudesystemen wird in wenigen Jahren so weit entwickelt sein, dass die Kommunikation und die Steuerung der Geräte und Systeme eines Gebäudes untereinander fest in den Anforderungen für modernes Wohnen verankert sind. Nicht zuletzt auch aufgrund von energetischen Auflagen. Der Beruf „Elektroniker/-in für Gebäudesystemintegration“ gilt deshalb schon jetzt als wichtiger und spannender Zukunftsberuf im E-Handwerk. 

Weiterführende Links:

www.bibb.de

BIBB / Elektroniker/-in für Gebäudesystemintegration

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