Der Titel dieser Checkliste mag auf den ersten Blick etwas seltsam klingen. Fakt ist aber, dass der Begriff „Digitalisierung“ einen großen Interpretationsspielraum zulässt. Meines Erachtens einen viel zu großen. Das liegt auch daran, dass die meisten Protagonisten einfach nicht über den eigenen Tellerrand schauen wollen oder können. Alter Wein – sprich Prozessoptimierung – wird einfach in den neuen Schlauch – sprich Digitalisierung – gefüllt. Das ist bequem, hat aber nichts mit dem zu tun, was ich unter Digitalisierung verstehe.

Digitale „Interessengruppen“ machen das Ganze nicht einfacher. Aus Sicht des digitalen Apokalyptiker hat man nur noch eine „Überlebenschance“, wenn man sein Unternehmen komplett erneuert. Der digitale Minimalist erfreut sich daran, seine serverbasierte Branchenlösung um das Modul Zeiterfassung zu ergänzen. Der digitale Pragmatiker gibt sich damit zufrieden, dass seine
Website den Mindestanforderungen einer immer digitalaffineren Kundenwelt gerecht wird. Der digitale Realist ist glücklich, wenn Cloud Services im Unternehmen zumindest partiell genutzt
werden. Der digitale Optimist beschäftigt sich mit vielen Details, prüft und hinterfragt und setzt punktuell um.

Das ist zwar alles „nett“ – hat jedoch wenig bis nichts damit zu tun, was Digitalisierung ausmacht. Ich wünsche mir viel mehr digitale Enthusiasten, die – wie ich – ein ganzheitliches Bild für die Digitalisierung entwickeln. Gehen Sie mal die nachfolgenden zehn Punkte durch, um festzustellen, wann Sie wirklich digital denken und handeln.

Ich stehe bei sieben von zehn. Und Sie?

1 Sobald die Freude am Ausprobieren und die rationale Betrachtung der Digitalisierung über meine bauchgesteuerte Skepsis, festhalten an althergebrachten Vorgehensweisen und meine übertriebene Vorsicht triumphieren.

2 Sobald die „Köpfe“ meines Unternehmens in der Lage sind, operative und strategische Aufgabenstellungen digital miteinander zu verzahnen.

3 Sobald der Fahrplan für die eigene Digitalisierung als Orientierung für unser unternehmerisches Tun und Handeln verstanden wird.

4 Sobald bei uns das Bewusstsein für die Bedeutung von umfangreichen Datensammlungen aus allen Handlungsfeldern und deren Auswertung vorhanden ist.

5 Sobald in unserem Unternehmen eine Arbeitskultur vorherrscht, in der der offene Austausch Wissen und Information als selbstverständlich angesehen wird.

6 Sobald ALLE unternehmensrelevanten Anwendungen mit/über/durch das Internet (Cloud) realisiert werden!

7 Sobald „mobile first“ gelebt (= die mobilen Devices zur „Steuer- und Schaltzentrale“ des Geschäfts werden) und der PC als „second screen“ Verwendung findet.

8 Sobald alle am Unternehmenserfolg Mitwirkenden (Mitarbeiter, Kunden, Geschäftspartner etc.) digital miteinander vernetzt sind.

9 Sobald jedwede Daten, Informationen und jedwedes Wissen nicht in Silos „versteckt“, sondern „barrierefrei“ für alle Handlungsfelder im Unternehmen automatisch generiert, genutzt, in Beziehung zueinander gesetzt und ausgewertet werden.

10 Sobald unsere Kunden „gläsern“ sind.

Dieser Beitrag stammt aus dem
111-Ideenbuch fürs Handwerk.

Auf der Suche nach weiteren 110 Ideen?